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Von der „Autobahn“ zum natürlichen Fluss: Großbaustelle zur Renaturierung der Iller


Ab der Illerbrücke zwischen Altenstadt und Sinningen soll die Iller flussabwärts auf einer Länge 1,3 Kilometer von einer geraden Fluss-Autobahn zu einem sich dahinschlängelnden, natürlichen Gewässer umgebaut werden.
Ab der Illerbrücke zwischen Altenstadt und Sinningen soll die Iller flussabwärts auf einer Länge 1,3 Kilometer von einer geraden Fluss-Autobahn zu einem sich dahinschlängelnden, natürlichen Gewässer umgebaut werden. Foto: Armin Schmid

Die Iller soll durch das Projekt „Agile Iller“ wieder ein ursprünglicher Fluss werden und schneller fließen können, zudem sollen mehr Laichplätze für die unterschiedlichen Fischarten geschaffen werden und die Menschen sollen die Iller als Naherholungsraum erleben können. Im Bereich des Marktes Altenstadt rückt hierzu ein Großprojekt in den Blickpunkt, das voraussichtlich rund sechs Millionen Euro kosten wird. Los geht es im Herbst mit einer großflächigen Rodung von Bäumen an der Iller und im Iller-Auwald.

Peter Faigle vom Regierungspräsidium Tübingen berichtete in Altenstadt, dass auf einem relativ langen und rund 40 Meter breiten Teilstück der Iller mehrere ökologische Verbesserungen umgesetzt werden sollen. Es handelt sich dabei um einen 1,3 Kilometer langen Abschnitt, der sich von der Illerbrücke/Kreisstraße flussabwärts in Richtung Balzheim zieht. Ziel der Maßnahme ist es, die Iller dort wieder zu einem sich dahinschlängelnden Fluss umzugestalten: „Die Iller ist in diesem Bereich gerade wie eine Autobahn. Das wollen wir ändern.“

Ökologische Umgestaltung der Iller bei Altenstadt startet Ende 2025

Altenstadts Bürgermeister Wolfgang Höß sprach mit Blick auf die Bauarbeiten, die Ende 2025 abgeschlossen sein sollen, von einem enormen logistischen und organisatorischen Aufwand. Es gehe darum, dem Fluss Naturraum wieder zurückzugeben. Um dies zu erreichen, werden auf bayerischer Seite Ausbuchtungen ins Illergries hineingearbeitet und kleine Inseln geschaffen. Auf diese Weise sollen auch Zonen geschaffen werden, in die sich die Iller bei Hochwasser ausdehnen kann. In den Fluss selbst werden Steinaufschüttungen eingebracht. Auf diese Weise soll sich letztlich mehr Fließgewässer mit unterschiedlichen Strömungsbereichen entwickeln.

Das ganze Gewässer werde leicht seitlich verschoben. An der Abfahrt der Kreisstraße an der Brücke wird ein Naherholungsbereich entstehen, der im Flachwasser auch Zugang zur Iller ermöglichen soll. Laut Planer Jürgen Rapp vom Planungsbüro RSI in Ummendorf fördert diese Neugestaltung der Iller die Artenvielfalt und die Anzahl der Lebewesen. Der neue Lebensraum werde zu mehr Fischnährtieren und zu einer höheren Population an Fischen führen.

Iller-Radwanderweg ist von den Arbeiten nicht betroffen

Der Kiesweg auf der bayerischen Seite der Iller müsse wegen der Einbuchtungen ins Illergries zurückgebaut werden. Der neue Weg führt in Richtung Kaula-Kanal, an diesem entlang und nach dem Ende der Ausbaustrecke wieder zurück an die Iller. Den Radweg an der Iller zu belassen ergebe keinen Sinn, da im Auwald Ausdehnungszonen für Hochwasser geschaffen werden sollen. Am Kaula-Kanal wird zudem ein rund eineinhalb Meter hoher Damm erstellt. Der Iller-Radwanderweg befindet sich auf württembergischer Seite und sei nicht beeinträchtigt. Auch Sinningen sei nicht betroffen, in diesem Bereich greife man nicht in die Iller ein.

Große Teile des benötigten Walds befinden sich im Besitz des Freistaats, ein Teil des Gebiets gehört dem Markt Altenstadt. Der überschüssige Kies wird nicht abgefahren, sondern im Bereich des Filzinger Wehrs wieder in den Fluss eingebracht. Der Kies soll als natürliches Geschiebe dienen – er bewegt sich also mit dem fließenden Wasser mit. Die Transportbewegungen nehmen ein beachtliches Ausmaß an. Jürgen Rapp erläuterte, dass von rund 3000 Lastwagenfahrten mit Kies in Richtung Filzinger Wehr auszugehen sei. Letztlich müssen demnach rund 80.000 Kubikmeter Kies, circa 30.000 Kubikmeter Sand und eine große Menge an Waldboden bewegt werden. Die Baustelle wird beidseitig an der Iller eingerichtet.

Marktrat Hubert Berger fragte nach, ob der Markt Altenstadt entschädigt wird. Peter Faigle antwortete, dass die Marktgemeinde eine Entschädigung für das Holz erhalte. Der entnommene Waldboden habe keinen finanziellen Wert. Auf einer Breite von 40 Metern habe sich die Wasserwirtschaft das Nutzungsrecht gesichert. Wolfgang Höß fügte an, dass es einen Forstbetriebsplan für die Waldbewirtschaftung gebe. Daraus gehe hervor, welche Flächen bewirtschaftet und aufgeforstet werden oder eben brach liegen.

Quelle: Illertisser Zeitung 01.08.24


 

Quelle: SWP 22.06.20


Illertissen / Altenstadt

Agile Iller: Altenstadt prescht voran

Beim Begutachten des mustergültig renaturierten Mutterbetts der Iller: (von links) Hans-Joachim Weirather, Ralf Klocke, Dietmar Wagner, Wolfgang Höß und Ulrich Dambacher.
Beim Begutachten des mustergültig renaturierten Mutterbetts der Iller: (von links) Hans-Joachim Weirather, Ralf Klocke, Dietmar Wagner, Wolfgang Höß und Ulrich Dambacher.

Barben und Äschen sollen sich wieder wohlfühlen in der Iller. Vor rund einem Jahr wurde eine Teststrecke angelegt. Das ist aus dem Projekt geworden.

Gleich unterhalb des Filzinger Wehrs, nach Ausleitung des Kanals der Unteren Iller AG aus der Iller, plätschert diese mit der für ein lebendes Gewässer gerade so nötigen Wassermenge zwischen Kiesbänken hindurch. Fische tummeln sich darin und „Kieslaicher“ wie Nasen, Barben und Äschen haben längst die kleinen Flussinseln für sich entdeckt.

Wolfgang Höß, Altenstadter Bürgermeister und Vorsitzender der Fischereigenossenschaft Untere Iller, konnte sich davon persönlich überzeugen. Somit präsentiert er jetzt nicht ohne berechtigte Freude diese Musterstrecke für eine gelungene Renaturierung in der Vorausschau auf das länderübergreifende Projekt Agile Iller. Dessen Ziel: den Gebirgsfluss von der Mündung bis zur Quelle für Fische wieder durchgängig zu machen, ihm ein Stück weit Natur zurückzugeben. Wie berichtet, steht diesen Plänen der kürzlich genehmigte Bau eines Schachtkraftwerkes und damit die industrielle Nutzung der Iller auf württembergischer Seite bei Dietenheim durch einen privaten Investor entgegen.

Altenstadt als Vorbild für Illertissen

So waren bei der Pressekonferenz an der Iller Initiatoren und Interessierte zugegen: Dietmar Wagner von der Fischereigenossenschaft, Ulrich Dambacher von der Werkleitung Untere Iller AG, Ralf Klocke von den Lechwerken Bereich Wasserwirtschaft sowie Bürgermeister Jürgen Eisen aus Illertissen. Ihm schwebt eine ähnliche, von Leader-Geldern geförderte Renaturierung der Iller zwischen der Zubringerbrücke im Süden und der Dietenheimer Brücke weiter nördlich vor. Die Ufergrundstücke im Auwald habe die Stadt bereits erworben, sagt Eisen. Sein Wunsch dabei: die Iller den Bürgern wieder wie früher zugänglich zu machen, im Sinne eines Naherholungsgebietes. Er sagt: „Schon allein, weil unsere Stadt den Fluss im Namen trägt, gehört sich das.“

Etwas trister sah die Pilotstrecke des Projekts Agile Iller im Winter aus. Jetzt ist der Fluss mit Leben gefüllt.

 

Was Höß vorzuweisen hat, scheint so verblüffend wie ermutigend. Für die 200 Meter lange Teststrecke im Mutterbett der Iller wurde das Ufer abgeflacht, dabei das Flussbett aufgeweitet und das Geröll samt zusätzlichem Kies hineingekippt.

Die Maßnahme mit Kosten von rund 25000 Euro wurde im Auftrag der Fischereigenossenschaft von der Unteren Iller AG durchgeführt und mit Fördermitteln aus der Fischereiabgabe finanziert. Das geschah vor gut einem Jahr – Befürchtungen zum Trotz, dass die Iller den Kies abtransportieren würde oder Geröll und Erde alles verwüsten könnten. Inzwischen ist das erste Hochwasser überstanden und der Gebirgsfluss hat auf der ihm zurückgegebenen Fläche ein Stück weit wieder seinen Charakter entfalten können: als mit Leben erfülltes Gewässer mit wechselnden Kiesflächen und Strömungen.

Betonschwelle ist nun niedriger

Noch eine weitere Maßnahme, wieder experimenteller Natur, lässt sich für das Projekt Agile Iller auswerten: Die vor der Altenstadter Illerbrücke eingebaute Betonschwelle wurde ein Stück weit um einen halben Meter abgesenkt, sodass in dem Bereich das Wasser schneller abfließt. Zwei Interessen werden dadurch gleichermaßen abgedeckt: Es staut sich genügend Wasser, um den Grundwasserspiegel zu halten, zugleich ist aber eine gewisse anhaltende Strömung gewährleistet. Höß erklärt: „So lässt sich totes Gewässer vermeiden.“ Beide Maßnahmen seien überzeugende Beispiele dafür, wie Renaturierung funktionieren könne.

Die Betonschwelle wurde um einen halben Meter abgesenkt.

Hans-Joachim Weirather, Ex-Landrat und Präsident des Fischereiverbands Schwaben, sagt, keinesfalls könne es so weitergehen, dass Jungfische in die Iller eingesetzt werden müssten, um den Bestand zu halten. Nur bei einer durchgängigen Iller könnten die Fischarten wieder flussaufwärts wandern, um an ihre Laichgebiete zu gelangen. Und er erinnert an alte Zeiten, als die sogenannten Steckerlfische beim Oktoberfest in München alle aus der Iller gefischt wurden. Ernst fügt er an: „Ich weiß, dass Investoren, die das im Mutterbett verbliebene Wasser der vor der Renaturierung stehenden Iller industriell nutzen wollen, etwa durch Schachtkraftwerke, auf bayerischer Seite nicht willkommen sind.“

Quelle: Illertisser Zeitung 22.05.20


Quelle: Illertisser Zeitung 04.03.20


Keine weiteren Kraftwerke in die Iller!

SONDERN

Renaturierung der gesamten Iller!

Für eine intakte Natur von morgen!


Filzingen

In der Iller sollen neue Lebensräume für Fische entstehen

Aus Kies wurde in der Iller nahe Filzingen eine neue Fliesrinne modelliert. In diesem überarbeiteten Flussbett sollen neuen Laich- und Jungfischhabitate entstehen.
Bild: Armin Schmid

Der Fluss an der Grenze zwischen Bayern und Baden-Württemberg soll wieder natürlicher werden. Mit einem Pilotprojekt bei Filzingen ist ein erster konkreter Schritt getan worden.

Die Iller soll wieder ein ursprünglicher Fluss werden. Dazu gehören zum Beispiel eine höhere Fließgeschwindigkeit und mehr Laichplätze für die unterschiedlichen Fischarten. Die Menschen, die rund um den Fluss leben, sollen die Iller als Naherholungsraum erleben können.

Mit wenig Geld kann man viel erreichen

Mit dem Pilotprojekt „Kieslaichplatz im Iller-Mutterbett“ hat die Fischereigenossenschaft Untere Iller in Zusammenarbeit mit der Unteren Iller AG (UIAG) im Bereich des Altenstadter Wasserkraftwerks eine publikumswirksame Teststrecke umgesetzt. Der Fischereigenossenschaftsvorsitzende Wolfgang Höß erklärte während der Mitgliederversammlung des Fischereivereins, dass die Genossenschaft mit dem Projekt in Vorleistung gegangen sei. Sie habe zeigen wollen, was mit wenig Geld und überschaubarem Aufwand schon jetzt machbar ist. Eigentlich gehe es aber darum, was im Rahmen des Förderprojekts „Agile Iller“ noch alles möglich wäre. Bei der „Agilen Iller“ haben der Freistaat Bayern und das Land Baden-Württemberg für die kommenden zehn Jahre insgesamt 70 Millionen Euro bereitgestellt, um aus dem Grenzfluss wieder ein lebendiges Fließgewässer machen zu können.

Das Projekt erstreckt sich auf eine Länge von rund 57 Flusskilometern, von Aitrach im Landkreis Ravensburg bis Wiblingen bei Ulm. Im Mittelpunkt steht dabei auch das Ziel, Querbauwerke aus der Iller zu entfernen und durch Raue Rampen zu ersetzen. Der Illerbereich bei Filzingen wurde für die 300 Meter lange Teststrecke ausgewählt, weil dort viel Kies vorhanden ist, das bei Hochwasser angeschwemmt wurde.

In neuen Flussbett sollen Fische Laichplätze finden

Die Pilotstrecke liegt unterhalb des Altenstadter Wasserkraftwerks, das von der UIAG betrieben wird. Dort befindet sich eine rund 500 Meter lange und 15 Meter breite Kiesbank. Diese Kiesfläche war fast vollständig mit Gräsern und Stauden bewachsen. Gründe dafür: Die mangelnde Flussdynamik und anhaltende Niedrigwasserperioden in den vergangenen Jahren. Die UIAG ist für den Unterhalt des Gewässers und damit für das Entfernen des Bewuchses verantwortlich.

Wie Wolfgang Höß erklärte, habe sich gezeigt, dass sich die Iller immer wieder eine Abflussrinne parallel zur Kiesbank suchte, was immer wieder zu neuerlichem Bewuchs führte. Daraufhin hat die UIAG in Abstimmung mit der Fischereigenossenschaft ein Konzept zur nachhaltigen Verbesserung der Situation entwickelt: Aus dem vorhandenen Kies wurde ein pendelndes Gerinne über das gesamte, 45 Meter breite, Flussbett modelliert. Flussbausteine als grobe Strukturelemente sollen eigendynamische Kiesumlagerungen unterstützen. Ziel der ganzen Maßnahme ist es, neue und dauerhafte Laich- und Jungfischhabitate zu schaffen. Durch den pendelnden Verlauf des Gerinnes sollen Strömungs- und Tiefenvariabilität in der Iller erhöht werden.

Dazu wurden insgesamt 15.000 Kubikmeter Kies umgelagert und modelliert. Die Kosten werden bei rund 25.000 Euro liegen. Höß berichtete, dass man auf Antrag rund 20.000 Euro an Fördermitteln aus der Fischereiabgabe erhalten werde. 5000 Euro wird die UIAG tragen. Damit sei die Maßnahme kostenneutral.

Hochwasser könnte das Bauwerk wieder zerstören

Nur eine Sorge bleibt der Fischereigenossenschaft: Das pendelnde Kiesgerinne könnte bei Hochwasser weggeschwemmt werden. Wolfgang Höß, der auch Bürgermeister von Altenstadt ist, fügte an, dass der Markt Altenstadt rund 23 Hektar Auwald gekauft habe. Die Kommune sei jetzt im Besitz des kompletten Auwaldbereichs entlang des Illerabschnitts nahe Marktgemeinde. Mit dem Kauf hat Altenstadt auch die Unterhaltspflicht übernommen.

Das Pilotprojekt soll auch ein Zeichen gegen den geplanten Bau von Wasserkraftwerken sein. Die Wasserkraftwerke im Bereich der bestehenden Querbauwerke verhindern laut Wolfgang Höß eine sinnvolle Renaturierung der Iller zwischen Buxheim und Ulm auf Jahrzehnte hinaus. Spaziergängern und Radfahrern soll an der Teststrecke bei Filzingen den Erholungswert einer renaturierten Iller erleben und die Vorteile eines lebendigen Fließgewässers und artenreichen Lebewesen kennen lernen. Kritisch sah Höß, dass der Wasserkraft-Investor für die Nutzung der Querbauwerke keine Miete zahlen müsse – obwohl diese sich in der Hand der Länder befänden. Zudem bekomme der Investor für den Strom eine Einspeisevergütung, die rund dreimal so hoch ist wie der Strompreis, den die UIAG an ihren Wasserkraftwerken erzielen kann. „Das geht gar nicht“, sagte Höß mit Blick darauf, dass die Zukunft der Iller nach seiner Ansicht finanziellen Vorteilen eines Investors geopfert werde. Höß hofft, dass es gelingt die Bevölkerung mit dem öffentlichkeits- und publikumswirksamen Pilotprojekt „Kieslaichplatz im Iller-Mutterbett“ in den Widerstand gegen die geplanten Wasserkraftwerke in der Iller mit einzubinden.

Quelle: Illertisser Zeitung 26.03.19


70 Mio. Euro für Projekt

„AGILE ILLER“

Staatsministerin Ulrike Scharf; Bild vergrößert sich per Mausklick; 1,6 MB

Ulrike Scharf

Umweltministerin Bayern

Franz Untersteller

Umweltminister Baden-Württemberg

Die Umweltministerin Ulrike Scharf (Bayern) und der Umweltminister Franz Untersteller (Baden-Württemberg) unterzeichnen am 04.11.2017 an der Iller bei Buxheim das Projekt „Agile Iller“. Es werden in den nächsten 10 Jahren für die Renaturierung der Iller 70 Mio. Euro zur Verfügung gestellt. Das Projekt erstreckt sich über ca. 57 km von Aitrach bis Wiblingen. Zwei große Maßnahmen sind bereits in Planung.


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